Geschichte

63 Jahre Eisenbahner Sportverein Rätia

Januar 1944
Die eigentlichen Initianten zur Gründung eines Eisenbahnersportvereins Rätia waren Christian Bärtsch und Hans Dutler, beide Stationsbeamte in Davos Platz. Hans Dutler wurde später Direktor des Schweizerischen Verkehrsbüros in Wien. Am 30. Januar 1944 fand in Restaurant Schwyzerhüsli in Davos eine Interessenversammlung statt. Anwesend war auch der damalige Zentralpräsident der SVSE Herr Köppel. Ferner M. Gredig Verwaltung RhB, M. Bärtschi St. Moritz, H. Stiffler der spätere Regierungsrat, J. Müller, H. Dutler, Chr. Bärtsch, P. Gross und E. Casanova, alle RhB-Angestellte in Davos. Herr Köppel orientierte über die Aufnahmebedingungen in die SBSE einer zu gründenden Eisenbahner Sportvereinigung. An dieser Sitzung wurden auch schon Statuten eines solchen Vereins ausgearbeitet und eine zu gründende Eisenbahner Sportvereinigung Rätia provisorisch für eine Aufnahme in die SVSE angemeldet.

13. Februar 1944
Die Gründungsversammlung fand am 13. Februar 1944 in Restaurant Schwyzerhüsli in Davos statt. Anwesende: O. Augustin Samedan, M. Gredig chur, A. Hassler Reichenau, j.P. Wieland Chur, Chr. Bärtsch Davos, H. Stiffler Davos, E. Casanova Davos, P. Gross, Davos, L. Kindschi Davos. Von den Gründern leben heute leider keine mehr. Den Vorsitz der Gründungsversammlung führte Chr. Bärtsch, der dann auch als erster Präsident der Rätia gewählt wurde. Er konnte die erfreuliche Mitteilung machen, dass die Rätia vom Zentralvorstand bereits provisorisch in die SVSE aufgenommen wurde. Dadurch konnten 13 Rennfahrer an die SVSE Skitage nach Engelberg angemeldet werden. Das ging rasch und wahrscheinlich nicht ganz statutenkonform. Ebenso erfreulich war die Mitteilung, das von den zirkulierenden Beitrittserklärungen schon bereits 100 unterschreiben zurück gesandt wurden.

Das erste Vereinsjahr
Im ersten Vereinsjahr nahmen bereits Rätianer an den SVSE-Leichtathletiktagen in Winterthur teil, dabei hat sich die Sektion Rätia auch schon für die Durchführung der SVSE-Skitage 1945 in Davos beworben, welche an der DV der SVSE auch angenommen wurde. Bündner Schützen haben sich schon vor der Gründung der Rätia an SVSE Schiessanlässen beteiligt. 1945 sind sie dann zur Rätia gestossen.

Ski Alpin
Ab 1946 wurde regelmässig ein Klubrennen durchgeführt, so auf Parsenn und Jakobshorn, dann ab 1969 immer auf Pischa. Ab 1966 bis 1990 wurde der Diavolezza-Riesenslalom vorerst auf Lagalb dann auf der Diavolezza wo auch jeweils die Winterabschlussfeier stattfand, durchgeführt. In grosszügigerweise hat die Diavolezzabahn jeweils die Medaillen gestiftet, ein allfälliges Defizit übernommen oder einen Überschuss an die Vereinskasse der Rätia überwiesen. Nun wird seit 1991 der Riesenslalom erst im Parsenngebiet und nun wieder auf Pischa durchgeführt. Der Versuch dieses SVSE-Rennen zusammen mit der Sektion Chur durchzuführen, wurde nach zwei Jahren wieder fallengelassen.

Langlauf
Seit 1967 wird auch alljährlich ein Langlauf-Rennen in Davos, offen für SVSE Mitglieder und Gäste, erst im Dischma, später auf der berühmten Rennstrecke im Flüelatal, durchgeführt. Infolge immer kleinerem Interesse und Teilnehmerrückgang wurde dieser ab dem Jahr 2000 sistiert.

Erfolge
Im Laufe der Jahre stellte die Rätia an den SVSE-Skitagen mehrmals die Eisenbahnerskimeisterin in der Dreier- und Zweierkombination. Ebenso den Eisenbahnerskimeister viele male den Sieger und die Siegerin der alpinen Kombination, unzählige Siege in Einzeldisziplinen wurden errungen. Auch die Schützen der Sektion Rätia waren und sind immer noch sehr erfolgreich.(Schützenkönige Bruno Cadosch, Michel Hossmann)

Die Leichtathletik ist in Graubünden ein steiniger Boden und doch errangen Mitglieder der Rätia an SVSE Meisterschaften mehrmals bei den Damen und Herren Meistertitel. Auch unsere Fussballer haben sich seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich an SVSE-Meisterschaften und Tournieren beteiligt. Seit der Einführung der Trendsportart Unihockey, kann unsere Sektion schon die schönsten Erfolge mit  Schweizermeister und diverse erfolgreiche Tournierteilnahmen feiern.

Grosser Kanton Graubünden
Da unsere Mitglieder im ganzen Kanton Graubünden verteilt sind, haben wir seit jeher Mühe an unseren Vereinsanlässen und denjenigen der SVSE genügend Beteiligung zusammen zu bringen. Dies trifft hauptsächlich die Bildung von Mannschaften. Ein gemeinsames Training ist aus diesen Gründen praktisch überhaupt nie möglich.

Gutes Verhältnis
Mit den jeweiligen Zentralvorstandsmitgliedern der SVSE haben wir seit der Gründung der Sektion Rätia stets ein sehr gutes Verhältnis. Die Rätia war immer eine sehr angesehene Sportvereinigung innerhalb der SVSE. Unser langjähriger Präsident Luzi Kindschi Davos (verstorben 2005), wurde sogar 1969 zum Ehrenmitglied der SVSE ernannt. Zum 50 jährigen Bestehen der Sektion Rätia, haben wir die Schweizerische Delegierten Versammlung in Landquart organisiert.

Organisator
Die Rätia hat bisher 8 Mal die Schweizerischen Eisenbahner Skitage , einmal das Eisenbahnerschiessen und einmal die Schweizerischen Leicht-athletikwettkämpfe durchgeführt. Zudem wurde schon mehrmals die Sternwanderung „nach Graubünden geholt“. In den kommenden Jahren 2007-2009, führen wir die Schweizermeisterschaften im Unihockey in Chur und die Skitage in Davos durch.

Vereinstreue
Die Rätia war seit jeher eine beständige Sportsektion. Bis 1990 hatten wir nur drei Präsidenten. Heute ist der fünfte Präsident im Amt. Aus organisatorischen Gründen gab es 1993 einen Wechsel zwischen dem Präsidenten und dem Vizepräsident. Die Ehrenmitgliedschaft wurde bisher nur vier Mal verliehen. Zwei Ehrenmitglieder und ein Ehrenpräsident sind verstorben. Wer zum Ehrenmitglied der Sektion Rätia ernannt wurde oder wird, hat wirklich ausserordentliches für den Verein geleistet. Auch waren wir immer sehr zurückhaltend mit der Nomination für das Goldabzeichen der SVSE. Auch hier war die Auszeichnung für die Empfänger wirklich verdient. Lange Amtsdauer im Vorstand sind bei der Rätia keine Ausnahme. So war z.B. ein Aktuar von 1963 bis 1994 im Amt, hat während dieser Zeit verschiedene Ämter ausgeführt und auch zum Teil Doppelfunktionen besetzt. Ein weiteres Beispiel ist Luzi Kindsch. Er war 30 Jahre im Vorstand tätig, 1948 als er von einem Sprachaufenthalt in England zurückkehrte, erfuhr er die erfreuliche Tatsache, dass er in der Zwischenzeit zum Vizepräsidenten und zugleich Rennchef der Rätia gewählt wurde.

Stationen des Vereinsgeschehens
Die Beteiligung im Tourenwesen war früher sehr rege und ist gegenwärtig eher bescheiden geworden. Vor ca. 40 Jahren hat einmal ein amerikanischer Student, der bei der Mutter von Luzi Kindschi wohnte, als Gast teilgenommen, er schwärmt heute noch von diesem Erlebnis. Höhepunkte in der Geschichte unseres Klubrennens war, dass vor einigen Jahren am Riesenslalom auf Pischa Prinz Charles, der englische Thronfolger, sein Bruder Andrew, dessen Gattin Fergie und die Söhne von Charles teilgenommen haben. All dies ohne dass Bodygards, Reporter oder Fotografen (nur wir von der Rätia) davon wussten. Dabei war auch der damalige Bundesrat Adolf Ogi. Ihn im Riesenslalom zu schlagen – gelang nur wenigen. Die königlichen Hoheiten aber haben es sichtlich genossen, dass wir darüber auch kein Aufsehen machten. 1961 fand die GV der Rätia zur Abwechslung im Ausland – nämlich in Livigno – statt. Anlässlich der Skichilbi an den SVSE-Skitagen 1954 in Villars, gatierte die berühmte Sängerin Josephine Baker im gleichen Hotel aber im oberen Saal. Es gelang uns, sie zu uns in den Saal einzuladen. Sie wurde von unserem Mitglied Luzi Kindschi unter grossem Beifall in den Saal geführt und wir hatten anschliessend ein grosses Fest mit ihr. Als Sohn unseres Aktivmitgliedes Pius Russi ist der spätere Weltmeister und Olympiasieger Bernhard Russi als Junior für die Sektion Rätia gestartet. An den SVSE Skitagen 1966 auf Brambrüesch wurde er in der Alpinen Kombination mit Tagesbestzeiten in der Abfahrt und im Slalom grossartiger Sieger. 1964 wurde das 20-jährige Bestehen der Rätia mit einer grossen Jubiläumsveranstaltung in Davos gefeiert.

63 Jahre ESV Rätia. Ad multos annos und VIVAT Rätia.
Malans, Oktober 2005. Jürg Boner